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Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn ein neues Auto gekauft wird, schliessen die meisten eine Vollkasko-Versicherung ab.
Und wie sieht es aus mit der Vollkasko für Ihren Körper?

Arbeitskraft weg. Arbeitsplatz weg. Existenz weg?

Entschuldigen Sie die etwas drastische Überschrift. Aber dieses Thema ist kein angenehmes. Und weil es selten angesprochen, dafür aber umso häufiger verdrängt wird, gibt es wohl kaum einen Bereich der privaten Vorsorge, wo so viel falsch gemacht wird wie hier. In der Regel natürlich, weil nichts gemacht wird. Das Thema heißt Berufsunfähigkeit. Und es behandelt den Fall, dass jemand aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Ein ganzer Sack voller Probleme auf einmal

Am Steuer kurz nicht aufgepasst. Auf dem Fußballplatz ein bisschen zu hart eingestiegen. Zu bequem gewesen, um die Trittleiter zu holen. Sie kennen all diese banalen Situationen, die zu Unfällen mit dramatischem Ausgang führen können. Und Sie kennen die körperlichen Schwachstellen des modernen Menschen, die Gelenke, die Wirbelsäule, die Psyche. Da wird ein Krankheitsbild schnell chronisch und die Symptome so schlimm, dass sie kaum zu ertragen sind.
Wer so oder so betroffen ist, hat nicht ein Problem, er hat zu viele. Oft sind die Leidensgeschichten dauerhafter als die Geduld des Arbeitgebers bzw. der Krankenkassen. Dagegen ist die Leitung der Institutionen, die in solchen Fällen einspringen sollen, unendlich lang und das Verständnis für die Situation viel zu schwach ausgeprägt. So dass zu Arztbesuchen nicht nur Arztrechnungen kommen, sondern irgendwann auch die Frage, wie diese Rechnungen bezahlt werden können. Wie überhaupt irgendeine Rechnung bezahlt werden kann. Kurz:
Wer berufsunfähig wird, läuft Gefahr, schnell in existenzielle Not zu geraten.

Wenn Lebensplanung Makulatur wird

Es ist eine echte Leistung, sein Leben in ordentlichen Bahnen zu halten, dabei seine Vorstellungen und Ziele zu verwirklichen, die Zukunft aktiv zu gestalten. Dabei bauen wir auf ein geregeltes Einkommen, einen sicheren Arbeitsplatz, auf die Gewissheit, dass es eigentlich nur besser werden kann. Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall macht einen dicken Strich durch diese Rechnung. Denn wenn plötzlich nur noch ein Bruchteil des gewohnten Einkommens zur Verfügung steht, fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Tilgung des Hypothekendarlehens. Die Beiträge zur Lebensversicherung. Die Leasingraten des Autos. Was hat Priorität, wenn im Grunde nur das Nötigste möglich ist? Ein ganz schön unangenehmes Szenario.

Sie doch nicht?

Weil man nicht gern über das Thema nachdenkt, neigt man dazu, sich selbst zu beruhigen:
Bin ich nicht kerngesund, sportlich, habe das Rauchen aufgegeben und esse höchstens noch zwei Mal im Monat Hamburger? Von 100 Erwerbsunfähigen haben vermutlich 95 das Gleiche gedacht. Es ist ja das Tückische, dass diese Situation meistens unangekündigt, wie aus dem Nichts kommt. Oft genug sind junge Menschen betroffen, die mitten im Leben, manchmal sogar noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Und für die es eine ganz neue Erfahrung ist, mit den groben Maschen des sozialen Netzes zu tun zu haben.
Damit wir uns nicht falsch verstehen:
Wir können Ihnen nicht beweisen, dass es gerade Sie trifft; andererseits dürfte Ihnen der Beweis schwer fallen, dass es gerade Sie nicht trifft berufsunfähig zu werden.

Auf amtsdeutsch heisst Kürzung Reform

Dass der Solidargemeinschaft in allen Bereichen zahlende Mitglieder fehlen, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der damit einhergehende Leistungsabbau besonders im Bereich der Berufsunfähigkeit massive Wirkung hinterlassen hat. Paradoxerweise gehören gerade die, die diesen Schutz dringend nötig hätten, zu den Verlierern: Wer nach dem l. Januar 1961 geboren ist, hat keinerlei Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente mehr. Und volle Erwerbsminderung wird nur dann attestiert, wenn nachweislich weniger als 3 Stunden täglich gearbeitet werden kann - egal in welchem Tätigkeitsbereich. Aber auch die älteren Leistungsempfänger sind nicht eben auf Rosen gebettet: Selbst im »günstigsten« (das heisst: im schlimmsten) Fall beträgt die so genannte Erwerbsminderungsrente i. d. R. 57% des Nettogehalts. Auf gut Deutsch also: die Hälfte!

Wie unfähig muss man sein, um erwerbsunfähig zu sein?

Erwerbsunfähigkeit ist eine Grauzone. Es gibt keine wirklich angemessenen Kriterien, da ja das persönliche Leiden gar nicht erfasst werden kann. Ist der Goldschmied, der seine rheumatischen Finger kaum noch bewegen kann, nur berufsunfähig oder erwerbsunfähig? Er könnte doch stundenweise als Pförtner arbeiten. Aber könnte er, der von den ewigen Schmerzen zermürbt wird, das wirklich? Und welcher Arbeitgeber gibt ihm eine Stelle, gerade jetzt, wo es an Arbeitsuchenden gewiss nicht mangelt? Solch einen Fall gutachterlich zu entscheiden, ist sicherlich ein undankbarer Job. Da bewegt man sich auf dünnem Eis. Und dem Einzelfall gerecht zu werden, ist schwierig und manchmal reine Glückssache.

Bewahren Sie sich Ihren Optimismus

Für kein Vorsorgethema gilt so sehr wie für dieses: Machen Sie es zu Ihrem Thema. Egal ob Sie Berufsanfänger sind oder auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere, ob Sie allein stehend sind oder eine Familie zu versorgen haben -eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte (nein muss) die Grundausstattung Ihres persönlichen Vorsorgekonzepts sein. Andere Vorsorgeformen sollten darauf aufbauen, alles andere kann - wenn es nicht gleichzeitig finanzierbar ist - lieber ein bisschen warten. Wenn Sie das Risiko Berufsunfähigkeit abgehakt haben, können Sie alles andere sehr viel gelassener angehen. Und keine Bange: Ausreichenden Schutz gibt es schon für vergleichsweise wenig Geld.